Die „5 Regeln der Allergieentwicklung“

Allergische Erkrankungen beruhen vielfach auf der gleichen Ursache: einer als Atopie bezeichneten körperlichen Neigung zu Überempfindlichkeitsreaktionen beim Kontakt mit eigentlich harmlosen Substanzen. So können ganz unterschiedliche Allergieformen in enger Beziehung zueinander stehen – und sich in bestimmten Fällen gegenseitig beeinflussen. Diese Zusammenhänge sind in den „5 Regeln der Allergieentwicklung“ leicht verständlich zusammengefasst.

1. Bei Allergien kann Vererbung eine wichtige Rolle spielen

Die Neigung zu Allergien ist vermutlich bereits im Erbgut angelegt und kann von den Eltern an nachfolgende Generationen weitergegeben werden. Bestimmte Gene bzw. eine Gruppe von Genen weisen dann – im Vergleich zu denen nicht betroffener Menschen – Veränderungen auf. Wie hoch das Risiko der Nachkommen für diese Veranlagung ist, hängt u. a. davon ab, ob sie nur von einer Seite oder sowohl väterlicherseits als auch mütterlicherseits „vorbelastet“ sind.

Vererbt wird dabei die Überempfindlichkeit (Atopie) gegenüber bestimmten, für nicht vorbelastete Menschen harmlosen Substanzen, jedoch nicht die konkrete Ausprägung der Allergie bzw. die spezifische Allergieform. Bei den Kindern kann sich die Atopie also in einer anderen Allergieform äußern als bei ihren Eltern. Dieser Umstand zeigt, wie wichtig es beim komplexen Thema Allergie ist, immer den ganzen Menschen im Blick zu behalten.

Nicht jeder Mensch mit einer ererbten Neigung zu Allergien erkrankt auch automatisch: bestimmte Lebensumstände bzw. Umwelteinflüsse können einen Ausbruch begünstigen oder ihm entgegenwirken. Aufgrund der offenbar großen Rolle der Erbanlagen sollten insbesondere Eltern, die selbst unter einer Allergieform leiden, bei ihrem Nachwuchs vermehrt auf Anzeichen für Überempfindlichkeitsreaktionen achten und – für den Fall, dass sie etwas beobachten – frühzeitig den Arzt darauf ansprechen.

2. Allergien treten häufig gemeinsam oder nacheinander auf und können sich gegenseitig verstärken

Die erbliche Veranlagung scheint beim Ausbruch von Allergien eine wichtige Rolle zu spielen. Daher verwundert es nicht, dass Menschen, die bereits an einer Allergie leiden, häufig auch andere allergische Erkrankungen entwickeln. Diese können gemeinsam, aber auch nacheinander bzw. zeitversetzt auftreten.

Menschen mit Neurodermitis bzw. atopischem Ekzem leiden beispielsweise häufig gleichzeitig an allergischem Asthma oder Heuschnupfen. Zudem weisen viele von ihnen zusätzliche Nahrungsmittelallergien auf, die bereits vorhandene Hautreaktionen weiter verschlimmern können.

Eine Nahrungsmittelallergie, ein allergischer Schnupfen oder eine Hausstauballergie wiederum scheinen das Asthma-Risiko zu erhöhen. Bestehende allergische Vorerkrankungen, wie z. B. allergischer Schnupfen, können darüber hinaus sogar die Schwere eines möglichen Asthmas mitbeeinflussen.

Aufgrund dieser engen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Formen sollten allergische Erkrankungen besser nicht auf die leichte Schulter genommen und frühzeitig sowie konsequent behandelt werden. Vor allem Personen, bei denen bereits eine bestimmte Allergieform vorliegt, sollten zudem beobachten, ob sie über die bereits bekannten Symptome hinaus auch andere potenzielle Überempfindlichkeitsreaktionen ihres Körpers feststellen und ihren Arzt darauf ansprechen.

3. Heuschnupfen und Asthma – Allergieformen, die das Atemwegssystem betreffen – stehen in besonders starkem Zusammenhang

Erkrankungen von Nase und Bronchien bzw. Lunge sollten nicht isoliert voneinander betrachtet werden, da diese Körperregionen räumlich und in ihrer Funktionsweise eng miteinander verbunden sind. Auch weisen die Schleimhäute im Nasen-Rachen-Raum und in den Bronchien eine ähnliche Struktur auf.

Die Entzündungsprozesse, mit denen die Schleimhäute der oberen Atemwege bei einem allergischen Schnupfen auf eindringende Allergene reagieren, können daher früher oder später auch auf die unteren Atemwege übergreifen. Im Fachjargon wird diese Verschiebung bzw. Ausweitung der Erkrankung als Etagenwechsel bezeichnet.

Das Asthma-Risiko ist daher bei Erwachsenen mit allergischem Schnupfen um mehr als das 3-fache erhöht. Umso wichtiger ist es, allergischen Schnupfen – ob in seiner saisonalen Form aufgrund von Pollen oder ganzjährig infolge einer Hausstauballergie – möglichst frühzeitig und fachgerecht, d. h. gemäß ärztlicher Anweisung, zu behandeln. Auf diese Weise besteht ggf. die Möglichkeit, das Risiko für einen Übergang der Erkrankung auf die unteren Atemwege zu verringern.

4. Die stärkste und gefährlichste Ausprägung einer allergischen Erkrankung ist ein allergischer Schock, Allergiker neigen eher zum allergischen Schock

Ein allergischer Schock, in der ärztlichen Fachsprache auch als anaphylaktischer Schock oder Anaphylaxie bezeichnet, bedeutet in jedem Fall „Alarmstufe“, denn je nach Schweregrad kann er für den Betroffenen sogar lebensbedrohlich sein. Dabei treten meist verschiedene Allergiesymptome (z. B. Hautauschlag, Atembeschwerden) gleichzeitig und innerhalb kürzester Zeit nach Kontakt mit dem Auslöser und in teils heftiger Form auf.

Wie bei allen Allergieformen handelt es sich auch hier um eine – in diesem Fall allerdings besonders starke – Überreaktion des Körpers bzw. des Immunsystems auf eigentlich harmlose Substanzen. Menschen, die bereits an einer Allergieform leiden, also bekanntermaßen die Neigung zu Überempfindlichkeitsreaktionen in sich tragen, haben folglich ein gesteigertes Risiko, einen anaphylaktischen Schock zu erleiden.

5. Allergien sind gut behandelbar, die Therapie sollte möglichst frühzeitig und unter ärztlicher Begleitung erfolgen

Allergien, auch wenn sie lediglich saisonal bzw. jeweils nur über kurze Zeiträume Beschwerden verursachen, sind keine Bagatellerkrankungen, sondern in jedem Fall behandlungsbedürftig. Bei der Therapie geht es nicht nur um eine Kontrolle der Symptome selbst, sondern auch darum, einer mittel- bis langfristigen Verschlimmerung der Beschwerden nach Möglichkeit vorzubeugen. Unter anderem aufgrund der engen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Allergieformen ist es sehr wichtig, allergische Reaktionen möglichst frühzeitig und sehr konsequent zu behandeln.

Beim allergischen Schnupfen beispielsweise kann dadurch unter Umständen das Risiko reduziert werden, im weiteren Verlauf an Asthma zu erkranken. Auch kann eine Behandlung mitunter Folgeerkrankungen nicht-allergischer Natur vorbeugen: beispielsweise bietet die aufgekratzte, entzündete Haut bei einer unbehandelten Neurodermitis eine besonders gute Angriffsfläche für Bakterien, Hautpilze oder Viren, die Hautinfektionen auslösen können.

Allergien sollten nach Möglichkeit nicht in Eigenregie, sondern nach Anweisung eines Facharztes für Allergologie behandelt werden. Er hat das für eine gesicherte Diagnose und die Auswahl einer adäquaten Therapie notwendige Fachwissen. Denn: Auch die Behandlung mit einem nicht passenden Medikament, das ggf. nur eine unzureichende Wirkung zeigt, kann ebenso wie die Nicht-Behandlung zur Verschlimmerung bzw. Ausweitung der Beschwerden beitragen.

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