Was ist Allergischer Schnupfen?

Was ist ein Allergischer Schnupfen?

„Allergischer Schnupfen“ (AS, medizinisch: allergische Rhinitis) ist eine allergisch bedingte Erkrankung der Nasenschleimhaut. Bei der allergischen Rhinokonjunktivitis sind zusätzlich die Augen betroffen. Allergische Erkrankungen, wie auch der AS, haben mittlerweile den Charakter einer Volkskrankheit angenommen. Für Deutschland wurden in einer Untersuchung [1], in der annähernd 8.000 Erwachsene befragt wurden, aktuelle Erkrankungszahlen erhoben. Demnach wurde bei knapp einem Drittel der Befragten im Laufe ihres Lebens mindestens eine allergische Erkrankung diagnostiziert. Generell sind Frauen häufiger als Männer und Jüngere häufiger als Ältere betroffen. Insbesondere für den AS gilt, dass trotz oder vielleicht aufgrund der Häufigkeit die Erkrankung oft als Bagatelle abgetan und nur unzureichend behandelt wird. Das hat schwerwiegende Folgen: Aus einem allergischen Schnupfen kann sich im Laufe der Zeit ein allergisches Asthma, eine ernstzunehmende Lungenerkrankung, entwickeln, die den Betroffenen immens beeinträchtigen kann. Manche Experten gehen davon aus, dass bis zu 45 Prozent der Patienten mit AS auch an Asthma leiden. Neben dem erhöhten Risiko Asthma und andere Folgeerkrankungen zu entwickeln [vgl. Beitrag zu den „5 Regeln der Allergieentstehung“], sind die Beschwerden bei AS häufig dermaßen ausgeprägt, dass die Patienten in ihrem Alltag und in ihrer Arbeitsfähigkeit stark eingeschränkt sind.

Wie entsteht ein allergischer Schnupfen?

Bei allergischem Schnupfen reagiert der Körper auf an und für sich harmlose Stoffe wie z. B. Pflanzenpollen oder Hausstaubmilben empfindlich. Man spricht dann von einer Sensibilisierung gegenüber diesen Auslösern, die Allergene genannt werden. Beim ersten Kontakt mit einem Allergen, z. B. über die Atemluft, nimmt eine bestimmte Zelle des Immunsystems, der Makrophage (auch als „Fresszelle“ bezeichnet), das Allergen auf und löst damit eine Kettenreaktion bei anderen Zellen des Immunsystems aus. Im Endeffekt werden spezielle Eiweißstoffe gebildet, die Immunglobulin E (IgE)-Antikörper, die gegen das Allergen gerichtet sind.

Das Immunsystem „erinnert“ sich an das Allergen
Hat der Mensch erneut Kontakt mit dem gleichen Allergen, „erinnern“ sich spezielle Immunzellen an den Auslöser und schütten vermehrt IgE-Antikörper aus. Die Folge: Es werden vermehrt Stoffe wie z. B. Histamin hergestellt, die eine Entzündungsreaktion des Körpers in Gang setzen. Die Wirkungen dieser Entzündungsvermittler sind die eigentliche Ursache für die Beschwerden beim Patienten: Es kommt zu einer Entzündung der Nasenschleimhaut mit Schwellung („verstopfte Nase“) und Sekretbildung (>> Abb.)

So entsteht allergischer Schnupfen
Abb: So entsteht allergischer Schnupfen

 

Gibt es verschiedene Formen des allergischen Schnupfens?

Bislang wurde zwischen einer saisonalen Form, dem typischen „Heuschnupfen“, und einer ganzjährigen Form unterschieden. Alternativ, um der Tatsache gerecht zu werden, dass viele Allergene und damit auch die Beschwerden das ganze Jahr über hinweg auftreten, kann man auch von einer „intermittierenden“ (zeitweiligen) und einer „persistierenden“ (dauerhaften) Form sprechen. Abhängig ist diese Einteilung von der Dauer der Beschwerden: Hat der Patient weniger als 4 Tage in der Woche bzw. weniger als 4 Wochen im Jahr Beschwerden, liegt eine intermittierende Form des AS vor. Treten die Symptome hingegen häufiger als 4 Tage pro Woche bzw. mehr als 4 Wochen pro Jahr auf, spricht das für die persistierende Form.

 
Die meisten Patienten leiden an einer mittelschweren bis schweren Ausprägung
Ungeachtet dessen wird der AS auch je nach dem Ausmaß der Beschwerden eingeteilt: So unterscheidet man die milde Ausprägung, bei der die Symptome nicht beeinträchtigend sind, von der mittelschweren / schweren Ausprägung. Bei dieser Variante ist der Patient mehr oder weniger stark in seinem Alltag gestört. Das erstreckt sich von Schlafstörungen über Einschränkungen bei Tagesaktivitäten wie Sport, Freizeitgestaltung, Arbeit oder Schule. Bei den meisten Patienten mit AS liegt die mittelschwere / schwere Variante vor [2].

Was sind die typischen Beschwerden?

Typisch bei allergischem Schnupfen sind eine laufende Nase, Juckreiz, die Schwellung der Nasenschleimhaut mit behinderter Nasenatmung und Niesanfälle. Außerdem haben die Betroffenen mit Husten, Halsschmerzen, Mundgeruch, Konzentrations- und Schlafstörungen zu kämpfen. Zu den Schlafstörungen gibt rund die Hälfte der Betroffenen an, sich morgens nicht ausgeruht zu fühlen, nahezu ein Drittel klagt über Einschlafschwierigkeiten. Die mangelhafte Schlafqualität und die übrigen Beschwerden sorgen bei vielen Allergikern für emotionale Beeinträchtigungen: Sie fühlen sich müde, gereizt, unkonzentriert und gehemmt, was sich auf ihre Leistungsfähigkeit im Alltag, sei es in Schule, Beruf oder bei Freizeitaktivitäten, auswirkt.

 
Hohe Kosten und riskante Folgeerkrankungen
Die volkswirtschaftlichen Auswirkungen des AS sind enorm. Die durch allergischen Schnupfen bedingten Ausfälle führen mittlerweile zu mehr Einbußen an Arbeitsproduktivität als bei psychischen Erkrankungen, Diabetes, Asthma oder Herzerkrankungen [3]. Die indirekten Kosten, die allgemein durch Allergien verursacht werden – also z.B. Kosten durch die beeinträchtigte Arbeitsfähigkeit von Allergikern, belaufen sich laut ECARF (European Centre for Allergy Research Foundation) einer europäischen Stiftung, die sich die Forschungsförderung und Informationsvermittlung zu Allergien zum Ziel gesetzt hat. In Europa auf 84 Milliarden Euro pro Jahr.
Aber nicht nur die direkten Auswirkungen der AS machen den Betroffenen zu schaffen. Langfristig riskieren sie ernste Folgeerkrankungen: Menschen mit allergischem Schnupfen leiden im Vergleich zur „gesunden“ Bevölkerung besonders häufig an Neurodermitis, Nahrungsmittelallergien, Migräne, Depressionen und Asthma. Letzteres ist häufig ähnlich schlecht kontrollierbar wie das von Asthmatikern, die aktiv rauchen.

Wie wird allergischer Schnupfen diagnostiziert?

Die Basis der „Allergie-Diagnostik“ ist die sorgfältige Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Besonders wichtig für den Arzt sind Auskünfte darüber, welche Medikamente der Patient einnimmt, ob er in der letzten Zeit möglichen Allergenen ausgesetzt war, wann die Beschwerden auftreten, ob bei Familienmitgliedern Allergien bekannt sind und ob bei dem Patienten bereits andere allergische Erkrankungen diagnostiziert wurden. Im Anschluss wird der Allergologe verschiedene Untersuchungen der Nase, Augen und der Lunge vornehmen, um sich ein genaues Bild machen zu können. Danach folgen spezielle Hauttests. Am gebräuchlichsten ist hier der Prick-Test. Dabei werden in die Haut des Patienten „allergieverdächtige“ Substanzen eingebracht. Die jeweilige Hautreaktion lässt dann darauf schließen, auf welche Stoffe der Patient allergisch reagiert. Als weitere Möglichkeiten lassen sich das im Körper vorhandene IgE (Immunglobulin E, das ist ein Antikörper, der sich gegen ein Allergen richten) labormedizinisch zu bestimmen oder mittels nasalem Provokationstest die zu testenden Allergene auf die Nasenschleimhaut sprühen oder tropfen.

Ob tatsächlich eine Allergie hinter den Beschwerden steckt, klärt der Allergologe
Hat der Arzt alle Testergebnisse zusammen, wägt er ab, ob die Befunde für eine allergische Erkrankung sprechen. Das ist mitunter nicht so einfach, denn es gibt verschiedene Erkrankungen, die mit ganz ähnlichen Beschwerden auftreten können. So können bakteriell oder viral bedingte Erkältungen zu den genannten Symptomen führen. Veränderungen in der Nase, z. B. Polypen oder Tumoren, aber auch eine Schilddrüsenunterfunktion oder hormonelle Umstellungen können Auslöser sein. Die genaue Abgrenzung, ob es sich tatsächlich um eine allergische Erkrankung handelt, ist anspruchsvoll und gehört daher in die Hand eines Allergologen, also eines HNO-Arztes, Lungenfacharztes oder Dermatologen mit der Zusatzbezeichnung „Allergologie“.


Quellenangaben:
[1] Langen U et al. Bundesgesundheitsbl 2013; 56:698–706
[2] Canonica GW et al. Allergy 2007; 62 (Suppl.85):7–25
[3] Lamb CE et al. Curr Med Res Opin 2006; 22:1203-1210

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