Wie kann ein allergischer Schnupfen behandelt werden?

Der Leidensdruck der Betroffenen ist oft immens und Allergologen raten dringend zu einer angemessenen Therapie, um Verschlimmerung zu verhindern. Dennoch, die Behandlungssituation allergischer Patienten in Deutschland sieht schlecht aus. Experten schätzen, dass nur jeder zehnte Allergiker entsprechend dem heutigen Wissens- und Empfehlungsstand therapiert wird [1]. Der Großteil der Patienten behandelt sich auf eigene Faust oder wird gar nicht therapiert. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen nimmt die Zahl der allergologisch tätigen Ärzte, die die Patienten kompetent betreuen können, ständig ab. Zum anderen werden immer weniger Allergie-Medikamente von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Nicht selten betrachten die Patienten selbst ihre Beschwerden als Bagatelle, mit der sie gar nicht erst einen Arzt aufsuchen, sondern sich direkt aus der Apotheke versorgen. Doch ob frei verkäufliche Arznei aus der Apotheke oder vom Arzt verordnete Medikamente – die Patienten sind oft unzufrieden mit ihrer Therapie. Viele nutzen zwei oder mehr antiallergische Medikamente, um sowohl ihre Nasen- als auch die Augenbeschwerden in den Griff zu bekommen [2]. Und auch das ist oft erfolglos, so dass viele Betroffene ständig die Präparate wechseln, um die „eine, für sie wirksame Kombination“ zu suchen. Ein Teufelskreis entsteht, der ernste gesundheitliche Auswirkungen wie z. B. den „Etagenwechsel“ vom allergischen Schnupfen (AS) zu allergischem Asthma, haben kann. Wie lässt sich das vermeiden? Was bietet moderne AS-Therapie heute und welche Behandlungsmethoden stehen überhaupt zur Verfügung?

Wie kann ein Allergischer Schnupfen behandelt werden?

Zunächst kann der Betroffene versuchen, das jeweilige Allergen zu meiden und damit auch den störenden körperlichen Reaktionen aus dem Weg zu gehen. So naheliegend sich das in der Theorie anhört, so schwierig bis nahezu unmöglich ist das oftmals in der Praxis. Wenn es sich um so häufig vorkommende Allergene wie Pflanzenpollen oder Hausstaubmilben handelt, ist das mit erheblichem Aufwand und Einbußen an Lebensqualität verbunden.

Eine Alternative ist die sogenannte Hyposensibilisierung (auch spezifische Immuntherapie (SIT) genannt). Dabei soll die überschießende Immunantwort auf das Allergen reduziert werden. Der Patient muss dazu dem Allergen kontrolliert und in steigender Konzentration ausgesetzt werden. Bei erfolgreicher Behandlung ist er damit seine Beschwerden los. Vollständig gelingt dies jedoch nur bei wenigen Betroffenen. Viele plagen sich weiterhin mit – zwar abgeschwächten – allergischen Reaktionen herum und bei einigen wirkt die SIT von vorne herein nicht. Bedenkenswert ist zudem die lange Therapiedauer. In der Regel dauert eine SIT 3 bis 5 Jahre und bedarf häufiger Arztbesuche [3].

Einfacher und von Experten in den internationalen Leitlinien als symptomorientierte Therapie empfohlen ist die Therapie mit Antihistaminika (→ Medikamente, die die Wirkung des körpereigenen Entzündungsvermittlers Histamin abschwächen) und Glukokortikosteroiden (→ Kortisonpräparate mit vielfältigen u. a. entzündungshemmenden Wirkungen).

Wie sieht eine moderne AS-Therapie aus?

Allergischer Schnupfen ist heute mit den genannten Wirkstoffen (Antihistaminika und Glukokortikosteroide) gut behandelbar.
Den meisten Betroffenen ist es sehr wichtig, dass sie sowohl ihre Nasen- als auch die Augenbeschwerden so schnell als möglich loswerden - und das am besten mit einem einzigen Medikament. Mittlerweile ist es gelungen, das Antihistaminikum Azelastinhydrochlorid mit dem Glukokortikosteroid Fluticasonpropionat in einem Nasenspray zu kombinieren. Beide Einzelsubstanzen sind in ihrer Wirksamkeit und Verträglichkeit gut erprobt. Das Spray wurde in einem Studienprogramm mit über 6.000 Patienten untersucht. Dabei zeigte sich, dass diese fixe Kombination schneller und wirksamer die Beschwerden an Nase und Augen lindern kann, als die beiden Einzelsubstanzen. Auch die mehr als 1.700 Allergie-Patienten, die das Spray unter gewöhnlichen Alltags-Bedingungen testeten, bestätigten das.
Das Nasenspray kann bei mittelschwerem bis schwerem allergischem Schnupfen eingesetzt werden, wenn eine Behandlung mit den Einzelsubstanzen als nicht ausreichend erachtet wird. Es muss vom Arzt verschrieben werden.

Für den Erfolg der AS-Therapie kann der Patient noch einiges mehr tun
Die verordneten Medikamente regelmäßig einnehmen, so wie es mit dem Arzt besprochen wurde – das ist noch längst nicht alles, was der Patient für eine erfolgreiche AS-Therapie tun kann. Um die eigenen Beschwerden besser einordnen und dem Arzt ein objektives Bild vermitteln zu können, gibt es die Visuelle Analogskala (abgekürzt VAS). Mittels dieser einfachen Skala (Abb. 1) gibt der Patient an, wie sehr er sich an dem jeweiligen Tag durch die AS-Beschwerden gestört fühlte. Über eine App, die der Patient auf seinem Smartphone installiert hat, kann er via VAS täglich seine Allergie-Beschwerden in einer Art „Allergie-Tagebuch“ festhalten und beim nächsten Arztbesuch besprechen. Für den Arzt lässt sich dadurch der Verlauf der Therapie gut kontrollieren und er kann schnell eingreifen, wenn z.B. eine stärkere Dosierung oder ein anderes Medikament notwendig sein sollte. Durch die Tagesaktualität wird die Therapie so optimal gesteuert und auf die persönlichen Bedürfnisse des Betroffenen abgestimmt. Auf Dauer könnte dadurch das Risiko für ernste Komplikationen bzw. Folgeerkrankungen wie z.B. allergisches Asthma verringert werden.

Interessierte Patienten sollten mit ihrem Arzt über die Nutzung der App sprechen. In Deutschland steht die App für iPhone-Nutzer unter https://itunes.apple.com/de/app/macvia-aria-allergietagebuch/id983596216?mt=8 und für Nutzer von Android-Smartphones unter https://play.google.com/store/apps/details?id=nl.peercode.allergydiary&hl=de zum Download bereit.

Abb. 1: Visuelle Analog Skala



Quellennachweise:
[1] Biermann J et al; Allergo J 2013;22(6) 366-73
>> Studie zur Versorgung von Allergiepatienten unter der Leitung des Gesundheitsökonomen Prof. Dr. Jürgen Wasem, beauftragt vom Ärztever¬band Deutscher Allergologen e.V. (AEDA)
[2] Mullol J et al. A survey of the burden of Allergic Rhinitis in Spain. J Investig Allergol Clin Immunol. 2009;19(1):27-34
[3] Ankermann T, Fischer PJ. Spezifische Immuntherapie (SIT, Hyposensibilisierung) im Kindesalter. Pädiatrische Allergologie 2014;17: 3/2014

SOS – 10 Tipps für den Alltag

Hier finden Sie die 10 Tipps zum Thema allergischer Schnupfen

Zu den Tipps